Marktentwicklung

Innovative Medizintechnik: Mehr Lebensqualität, weniger Kosten

Weltweit engagieren sich Unternehmen, Forschungseinrichtungen und staatliche Stellen dafür, die medizinische Versorgung zu verbessern und die Gesundheitssysteme effizienter zu gestalten. Steigende Lebenserwartung, höhere Kaufkraft – gerade in den aufstrebenden Industrienationen – und medizinischer Fortschritt beeinflussen sich gegenseitig. Die Folge: Der Kostendruck im Gesundheitswesen steigt. Die Anbieter im Gesundheitsmarkt fordern wirksame und kostengünstige Anwendungen. Neue Lösungen sind nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht notwendig. Sie helfen vor allem Patienten, schneller gesund zu werden und so ihre Lebensqualität zu verbessern. Im Fokus steht zunehmend auch der Kampf gegen Infektionen und die Verbreitung von antibiotika-resistenten Bakterien.

 

Teure und aufwändige Behandlungen

Resistenzen gegen Antibiotika entstehen, wenn die Dosierung und Anwendungsdauer falsch gewählt werden oder ein Einsatz von Antibiotika nicht sinnvoll ist. Daher sind zunehmend mehr Erreger aufgrund des einstigen Allheilmittels Antibiotika gegen Infektionen resistent – vielfach bilden sich sogar sogenannte multiresistente Keime (MRSA-Keime bzw. multiresistente Staphylokokken). Sie verursachen eitrige Entzündungen der Haut oder von Organen und sind nicht mit herkömmlichen Antibiotika behandelbar. Die Folge: langwierige Therapien. Mittlerweile ist jeder fünfte Keim resistent, ergab eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts in fünf deutschen Universitätskliniken zwischen 2002 und 2006.

 

Europaweit mehr als drei Millionen Fälle

Allein in Europa infizieren sich jährlich mehr als drei Millionen Klinikpatienten mit den gefährlichen Erregern, in Deutschland rund 500.000, schreibt der Versicherungskonzern Allianz. 50.000 Menschen sterben europaweit an den Folgen einer sogenannten nosokomialen Infektion – einer Infektion, die man sich erst im Krankenhaus zuzieht. Mangelnde Hygiene fördert die Verbreitung von Bakterien und Krankheitserregern und erhöht das Infektionsrisiko. Tendenz weiter steigend: Durch das steigende Lebensalter erhöht sich die Zahl der Krankenhauspatienten kontinuierlich.

„Es ist unakzeptabel, dass sich einer von zehn Patienten eine Infektion zuzieht“, urteilt schon heute die Europäische Kommission. Besonders gefährdet sind Patienten auf Intensivstationen. Dort infizieren sich 15 von hundert Patienten bei einem Krankenhausaufenthalt. In erster Linie handelt es sich um Wund- und Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen sowie Blutvergiftungen. Insgesamt sterben weltweit mehr als 15 Millionen Patienten an Infektionen, so eine Studie der Weltgesundheitsbehöde WHO aus dem Jahr 2005.

 

Kostenvermeidung gefordert

Bereits im Jahr 1995 betrug allein in Deutschland der finanzielle Schaden durch Krankenhausinfektionen rund 1,3 Mrd. Euro, ermittelten Experten seinerzeit. Beispiel Wundinfektion: Ihre Behandlung kostet – auch wegen einer längeren Liegezeit im Krankenhaus – bis zu 20.000 Euro, schätzt die Universitätsklinik Münster. Aber nicht allein Europa ist von der wachsenden Verbreitung von resistenten Viren und Krankenhausinfektionen betroffen: In den USA wird der jährliche Schaden auf etwa 4,5 Mrd. Euro beziffert.

 

Die Kosten müssen, zumindest hier zu Lande, die Krankenhäuser ganz oder teilweise tragen. Durch die Einführung der sogenannten Fallpauschale (DRG-System) erstatten die Krankenkassen vorab festgelegte Pauschalen, die sich an den durchschnittlichen Kosten der jeweiligen Krankheit oder Behandlung orientieren. Die behördlichen Kontrollen werden zudem ausgeweitet und zwischen den Kliniken findet ein Benchmarking statt, das die Transparenz erhöhen und dem Patienten weiteren Nutzen verschaffen soll. Daher sind nach unserer Einschätzung gerade Kliniken, vor allem von privaten Betreibern, an einer antimikrobiellen Ausstattung von Medizintechnik oder Instrumenten interessiert, damit die Verbreitung von Bakterien, Keimen und Pilzen gehemmt wird. Den Mehrkosten für einen wirksamen Schutz stehen erhebliche Einsparungen gegenüber, wenn dadurch Behandlungen nosokomialer Infektionen vermieden werden.

 

Informationen über die Märkte, auf denen Bio-Gate aktiv ist: Wachstumsmarkt Infektionsprophylaxe

 

Medienspiegel:

 

Weser-Kurier:
„Hygiene-Missstände in Kliniken – Studie:
Drei Millionen Menschen infizieren sich jedes Jahr“

n-tv :
„Anstieg in Krankenhäusern: Antibiotika-resistente Keime“

DIE WELT:
„Neue Waffen gegen resistente Keime“

Rheinische Post:
„Bakterien auf dem Vormarsch“

Berliner Zeitung:
„Die Waffe der Krankenhauskeime –
Wie multiresistente Staphylokokken die Lunge zerstören“

Hamburger Abendblatt:
„Mehr Krankenhauskeime“

Spiegel online:
„Schlechte Krankenhaus-Hygiene – Superbakterien haben leichtes Spiel“

 

 

 

Hohes Sparpotenzial

Auch bei der Wundversorgung besteht nach Ansicht von Bio-Gate wachsender Bedarf nach innovativen Materialien, um Infektionen zu verhindern: Denn einer aktuellen Studie zufolge erhalten nur knapp 40 Prozent der bundesweit drei Millionen Patienten mit chronischen Wunden eine Auflage, welche den Heilungsprozess fördert. Dies ergab eine Umfrage des Kieler Instituts für Gesundheits-System-Forschung. Grund sei offenbar auch die fehlende Kostenübernahme durch die Krankenkassen – obwohl moderne Wundauflagen durch die schnellere Heilung und weniger Verbandswechsel zur Kostenersparnis im Gesundheitssektor beitragen.

 

Insgesamt könnten im Gesundheitswesen jährlich bis zu 1,5 Mrd. Euro Kosten eingespart werden, ergab eine Studie des Branchenverbandes Spectaris. Doch vielfach würden Krankenkassen und Ärzte Investitionen in die Medizintechnik fälschlicherweise als Kostentreiber ansehen und daher die sich daraus ergebenden Chancen für Patienten und das Finanzsystem nicht nutzen. In Verbindung mit einem überregulierten Gesundheitsmarkt ergäbe sich daher ein Investitionsstau allein im Klinikbereich von rund 30 Mrd. Euro.

 

Wachstumsmarkt Medizintechnik intakt

Der Wunsch nach einem gesünderen und längeren Leben spiegelt sich auch in den steigenden Gesundheitsausgaben wider. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt soll von derzeit rund elf Prozent bis 2015 auf rund zwölf Prozent steigen, schätzt die Deutsche Bank. Im Jahr 2006 wurden rund 248 Mrd. Euro für Gesundheitsleistungen investiert, davon etwa 20 Mrd. Euro von Kliniken und Arztpraxen für Medizinprodukte. Ingesamt erwirtschaften die deutschen Hersteller einen Umsatz von rund 15 Mrd. Euro – Tendenz weiter steigend. Mit Zuwachsraten von geschätzten acht Prozent jährlich zählt die Medizintechnikbranche zu den wachstumsstärksten Industrien.

 

 

 

Märkte im Überblick:

 

Marktsegment Volumen Region
Antimikrobielle Beschichtungen Anstieg von 175 auf 560 Mio. US-Dollar
(2005 bis 2012)
USA
Antimikrobiell ausgestattetes
Verbandsmaterial (USA)
Anstieg von 75 auf 367 Mio. US-Dollar
(2005 bis 2012)
USA
Wundversorgung weltweit Verdoppelung auf 3 Mrd. US-Dollar bis 2011 Weltweit
Behandlung von Knochenbrüchen
(Traumatologie)
Anstieg von 1 auf 1,5 Mrd. US-Dollar
(2002 bis 2009)
USA
Medizinprodukte aus Kunststoff wie etwa Katheter und Implantate (USA) 5,6 Mrd. US-Dollar jährlich USA
Produkte zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
(kardio-vaskuläre Anwendungen)Quelle: Frost & Sullivan u. a.
20 Mrd. US-Dollar jährlich Weltweit